Landkreis Tirschenreuth
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Für die Senioren- und Behindertenbeauftragten fand am 15. März eine Informationsversammlung am Landratsamt Tirschenreuth statt. Frau Bettina Wurzel von der Hanns-Seidel-Stiftung, die beim Sozialamt Bayreuth tätig ist, referierte zum Thema „Selbstständigkeit im Alter solange wie möglich erhalten – die Bedeutung sozialer Netzwerke im Alter“.

Bettina Wurzel von der Hanns-Seidel-Stiftung referierte informativ und praxisbezogen zum Thema.

Kreisseniorenbeauftragter Ludwig Spreitzer und die Seniorenfachstelle des Landratsamtes Tirschenreuth hatten zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen und durfte zahlreiche Gäste, begrüßen.   Die Menschen in ihrem gewohnten Umfeld lassen „97 % aller Personen über 60 Jahre leben im Privathaushalt, 70 % aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, so Bettina Wurzel. Es sei eine Tatsache, dass Menschen, die zu Hause gepflegt werden, viel seltener krank werden als z. B. solche, die in einem Pflegeheim untergebracht sind. Die Anzahl jener pflegebedürftigen Menschen steigt stark an – kein Wunder, denn die Lebenserwartung geht auch permanent nach oben.  

„Was kann ich tun, um der Demenz zuvor zu kommen?“
Ein fast schon makabres Zitat erwähnte Bettina Wurzel in ihrem Vortrag. Auf die Frage einer Patientin, wie sie denn der Demenz vorbeugen könnte, antwortete ein Mediziner: „Am besten ist es, wenn Sie rechtzeitig sterben.“ Die aktuell hohe Lebenserwartung stellt die Gesellschaft vor ganz neue Probleme. Dabei sind soziale Netzwerke für die Senioren von immenser Bedeutung. Wer schon rechtzeitig sein Umfeld pflegt und ausbaut, profitiert davon natürlich auch im Alter. Als wichtigstes soziales Netzwerk nannte Bettina Wurzel die Familie.  

Mythos Familie – „Früher war alles besser“
Ein großer Irrtum – besser waren die Zeiten früher nicht, sie waren anders. Oft hatte man keine andere Wahl, als in einer Großfamilie aufzuwachsen und sich um die Angehörigen zu kümmern. Heutzutage bieten sich vor allem den jungen Menschen schier endlose Möglichkeiten, was Ausbildung, Beruf und Wohnort betrifft. Oft sind nun große räumliche Distanzen vorhanden, wenn es einen z. B. für das Studium ins Ausland verschlägt – das Elternhaus, das einst großzügig ausgebaut wurde, steht nun oft fast leer. „Die Generation von heute traut sich eben, die Pflege eines nahen Angehörigen auch mal abzulehnen, weil man die Chance hat, sich selbst zu verwirklichen“, so Wurzel.  

Die moderne Gesellschaft steht in der Verantwortung
Es gibt mittlerweile nicht wenige Familien, in der schon mehrere Generationen hilfebedürftig sind und unter einem Dach wohnen. Hier müssen Hilfestellungen von Seiten der Gesellschaft geschaffen werden. Ein ganz wichtiger Punkt ist hier z. B. die Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden und z. B. in Hotels oder Gaststätten. Bettina Wurzel klagte hier über großen Nachholbedarf: „Die Leute sehen das nicht, bis sie selbst davon betroffen sind. Viele wissen gar nicht, was Barrierefreiheit bedeutet“.  

Beratung und staatliche Förderung
Sehr lobend wurde die Kommunale Wohnberatungsstelle des Landkreises Tirschenreuth, unter der Leitung von Anita Busch, erwähnt. Hier habe man ein Vorzeigeprojekt mit einer richtigen Fachfrau geschaffen, das den Menschen dort Hilfe bietet, wo sie sie brauchen, wie z. B. die Beratung zur staatlichen Förderung, wenn es um notwendige Umbaumaßnahmen für eine altersgerechte Wohnung geht. Im Anschluss an den Vortrag von Bettina Wurzel hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit zur Diskussion und Fragestellung, wobei noch manche Detailfrage geklärt werden konnte.