Prävention - Abgrenzung zur Gesundheitsförderung
Die Begriffe Prävention und Gesundheitsförderung werden oft gemeinsam genannt und synonym verwendet. Genauso wie Gesundheitserziehung, gesundheitliche Aufklärung, Gesundheitsbildung oder Gesundheitsberatung umreißen sie die so genannte vierte Säule des Gesundheitswesens neben Behandlung, Rehabilitation und Pflege.
Bei genauerem Hinsehen jedoch stehen hinter all diesen Bezeichnungen eigene Zielsetzungen und Methoden. Sie spiegeln damit gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse wider.

In den Begriffen "Prävention" und "Gesundheitsförderung" kommt primär eine unterschiedliche Orientierung zum Ausdruck:
Prävention ist geprägt von dem Ziel, Krankheiten zu vermeiden bzw. zu verhüten. Ausgangspunkt sind Theorien darüber, welche Faktoren Krankheiten hervorrufen: Diese Faktoren oder Noxen gilt es zu beseitigen oder zu bekämpfen (pathogenetische Orientierung).
Bei der Gesundheitsförderung (siehe Ottawa-Charta der WHO) hingegen steht die Frage im Vordergrund, welche Faktoren Gesundheit im Sinne des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens erhalten bzw. herstellen können. Diese gilt es zu verstärken und zu unterstützen (salutogenetische Orientierung).
Paradigmenwechsel von der Prävention hin zur Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderung entstand zu Beginn der 80er Jahre aus der Gsundheitserziehung. Diese wiederum wurde aus dem medizinischen Risikofaktoren-Modell entwickelt, das z.B. die Analyse der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglicht hatte. Von medizinisch definierten Risikofaktoren wie dem erhöhten Cholesterinspiegel führte ein direkter Weg zu der Erkenntnis, dass das Verhalten ein wichtiger Eingriffsbereich zur Senkung von Risikofaktoren ist. Gesundheitsföderung entstand in einem weiteren Schritt aus der Kritik an diesem Risikofaktoren-Modell und aus der Einsicht, dass das individuelle Verhalten nicht völlig frei gewählt, sondern vielfach durch die Lebensverhältnisse beeinflusst ist. Der Ansatz der Gesundheitsförderung ist deshalb multidisziplinär, multifaktoriell und multisektorial.
Verhältnisse und Verhalten ändern
Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es meist sinnvoll ist, die biomedizinischen Ansätze der klassischen Prävention mit den umfassenden Ansätzen der Gesundheitsförderung zu kombinieren:
Prävention arbeitet mit gesundheitsförderlichen Elementen wie Einbeziehung der Betroffenen (Partizipation) in ihrem Lebensumfeld (Setting). Denn Verhalten- und Verhältnisprävention müssen sich ergänzen, um in unserer Gesellschaft Erfolge zu ermöglichen.
Literatur:
1. BZgA (2003): Leitbegriffe der Gesundheitsförderung BZgA (2003) 2. Naidoo Jennie, Wills Jane (2003): Lehrbuch der Gesundheitsförderung. BZgA. Köln.
3. Sabo Peter (2003): Institutionalisierung von Prävention und Gesundheitsförderung.Prävention 1; Jg. 26, S. 7.
4. Trojan Alf, Legewie Heiner (2001): Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung, Verlag für akademische Schriften. Frankfurt. (s. 26 ff).