Landkreis Tirschenreuth
a Startseite > Verwaltung & Organisation > Fachbereiche > Wirtschaft & Kreisentwicklung > Der Landkreis stellt sich vor
A+
Ao
A-
b

Unser Landkreis grenzt direkt an die tschechische Republik und war damit jahrzehntelang Zonen-randgebiet. Doch geographisch betrachtet liegt unser Zuhause im Herzen Europas: der geographische Mittelpunkt Europas ist der Tillenberg/Dýlen (940m über NN) bei Neualbenreuth. Dank der Wende und der Öffnung der Grenzen können wir uns nun gemeinsam mit unseren tschechischen Nachbarn wieder von der Randlage zum Mittelpunkt entwickeln.

Landschaftlich wird unser Landkreis Tirschenreuth von Mittelgebirgen und Wasserflächen geprägt. Neben der Zugehörigkeit zum Oberpfälzer Wald grenzt das westliche Gebiet ans Fichtelgebirge. Zentrales Mittelgebirge in unserem Landkreis ist der Steinwald, der mit 946m über NN die höchste Erhebung aufweist. Geformt wird unser Gebiet auch durch die Senke um Kemnath und Waldershof sowie durch die Waldnaab-Wondreb-Senke. Vor allem letztere ist für die zahlreichen Fischteiche bekannt. Hier wird seit fast einem Jahrtausend Karpfenzucht betrieben und die rund 4.700 Teiche im Landkreis sind heute noch landschaftsprägend. Quer durch unser Landkreisgebiet verläuft außerdem die europäische Hauptwasserscheide Elbe/Donau. Bis heute ist unsere Region vom früheren Vulkanismus geprägt. Darauf lassen sich nicht nur die vorhandenen Bodenschätze wie Granite, Basalte, Kaolin oder Ton, sondern auch die Heilquellen in Kondrau, König-Otto-Bad bei Wiesau, Reuth bei Erbendorf und Neualbenreuth zurückführen.

In der Geschichte hat unsere Region wahrscheinlich nichts so sehr geprägt wie die Grenzlage zu Böhmen, die bereits seit der Besiedlung im frühen Mittelalter besteht. Obwohl mit der Verpfändung des Reichslandes Eger an den Böhmenkönig Johann von Luxemburg im Jahre 1322 die Grenze im Gebiet zwischen Stiftland und Eger festgelegt wurde, war die Region jahrhundertelang von engen Beziehungen beider Seiten geprägt. Die gemeinsame Geschichte, Religion, Sprache und Kultur sorgten für eine gute Nachbarschaft. Eine Besonderheit ist die sogenannte „Fraisch“, ein kleiner Landstrich bei Neualbenreuth. Aufgrund von Besitzstreitigkeiten zwischen der Stadt Eger und dem Kloster Waldsassen wechselte in diesem Gebiet fast drei Jahrhunderte lang jährlich am 10. August die Staatsangehörigkeit der Einwohner. Erst 1862 wurde die Fraisch von den Königreichen Bayern und Böhmen aufgeteilt.

Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde das gewohnte Zusammenleben abrupt beendet, der „Eiserne Vorhang“ unterbrach die jahrhundertelang gewachsenen Verbindungen vollständig. In gegensätzliche politische Systeme integriert, entwickelte sich das Land diesseits und jenseits der Grenze in ganz unterschiedliche Richtungen. Der Landkreis Tirschenreuth war plötzlich Zonenrandgebiet – das Ende der westlichen Welt. Erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wachsen die Beziehungen nach Tschechien langsam wieder, allerdings haben 50 Jahre Trennung eine große Kluft hinterlassen.

Neben dem Ende wichtiger Industriezweige wie der Porzellanherstellung brachte auch die Wende wirtschaftlich große Probleme für unseren Landkreis mit sich. Daher bereitete die EU-Osterweiterung 2004 den Menschen in unserer Region zunächst große Sorgen: würden weitere Industriezweige wegbrechen, günstigere Arbeitskräfte aus dem Osten ihre Arbeitsplätze gefährden? Glücklicherweise haben sich diese Ängste nicht bewahrheitet, im Gegenteil: die Öffnung der Grenze und der EU-Beitritt Tschechiens haben für uns viele neue Perspektiven eröffnet. Heute sind die Regionen auf beiden Seiten der Grenze auf dem besten Weg, ihre früheren engen Beziehungen wieder aufzunehmen. Allen gemeinsam ist uns dabei der Wunsch, die Grenze ein für alle Mal zu überwinden und gemeinsam vom Zonenrandgebiet wieder zum Herzen Europas zu werden.