Landkreis Tirschenreuth
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Landrat Wolfgang Lippert erklärt in der Beilage "Wirtschaftsstandort Oberpfalz" von NT und MZ, was unseren Landkreis so besonders macht. Dazu gehören sowohl erfolgreiche Unternehmen als auch eine einzigartige Landschaft - denn im Landkreis Tirschenreuth schließt sich das keineswegs aus.

Der Landkreis Tirschenreuth kann mit positiven wirtschaftlichen Daten aufwarten. Unter anderem ist die aktuelle Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahresmonat nochmals gesunken - auf jetzt 3,8 Prozent. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Landkreises?  
Sehr viele unserer Betriebe haben in jüngster Zeit investiert und die Produktion spürbar ausgeweitet. Sie bekennen sich somit zum Standort und schätzen die Zuverlässigkeit und das „know how“ der einheimischen Arbeitskräfte. So konnte der Landkreis sowohl regional, als auch überregional und international kontinuierlich gegen den internationalen Wettbewerb bestehen und seine Position ausbauen.

Auf welche Herausforderungen muss sich der Landkreis bis 2020 einstellen? 
Die Hauptherausforderung hier ist natürlich der demographische Wandel mit all seinen Facetten. Auch wenn der Bevölkerungsverlust sich im Landkreis verlangsamt hat, gilt es die Infrastruktur zu stabilisieren bzw. zu modernisieren. Unsere Region muss attraktiv und lebenswert bleiben.
Die Zertifizierung „Bildungsregion“  muss intensiviert werden durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung, wie z.B.  Schaffung eines innovativen Lernorts  im Gründerzentrum Waldsassen in Zusammenarbeit mit der HAW Amberg/Weiden oder neue zukunftsorientierte Ausbildungsmöglichkeiten am Staatl. Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Wiesau.
Angegangen werden muss sicherlich auch die Leerstandproblematik in den Kommunen, welche nur durch spezielle  Förderprogramme lösbar sein wird.
Der anderorts schon herrschende Fachkräftemangel ist zwischenzeitlich auch bei uns im Landkreis angekommen. Es gilt hier im Rahmen des Bündnisses für Familien familienfreundliche Arbeitsplätze zu initiieren. Erwähnt sei hier der wichtige Bereich der Pflege und Betreuung von älteren und kranken Menschen.

Stichwort Flüchtlinge: Wie ist die aktuelle Lage im Landkreis?  
Die Lage bei unseren Asylsuchenden und Flüchtlingen ändert sich eigentlich täglich. Aktuell  befinden sich im Landkreis Tirschenreuth 680 Personen. Davon sind 321 in sog. dezentralen Wohnungen und 189 in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Wir haben derzeit 41 unbegleitete Minderjährige zu betreuen und in einer Kommune sind 44 Kontingentflüchtlinge wohnhaft. In der Notfallunterkunft in Wiesau befinden sich aktuell noch 85 Asylbewerber.  
Im gesamten Landkreis wird versucht, eine geeignete Halle oder sonstige Räumlichkeiten zu finden, die ggf. als Notfall-Unterbringungsstätte umfunktioniert werden kann. Auf Dauer kann die Dreifachturnhalle in Wiesau sicherlich nicht für Asylanten zur Verfügung stehen.

Viele Gemeinden im Landkreis stehen gut da. Es gibt aber auch strukturschwache Gebiete. Wie sieht es derzeit mit der Strukturförderung aus?  
Im Landkreis Tirschenreuth stehen zahlreiche Fördermöglichkeiten zur Verfügung, sowohl für Unternehmen als auch für Kommunen und private Initiativen. Die Wirtschaftsförderungs- und Gründerzentrums GmbH im Landkreis Tirschenreuth und das Regionalmanagement im Landratsamt  stehen Interessierten mit Rat und Tat zur Seite, um passende Förderinstrumente zu finden und abzuwickeln. Der Landkreis hat eine der höchsten Förderabrufquoten in Bayern bei den europäischen Fördertöpfen.  So sind beispielsweise mit Leader, Interreg oder dem Fischereifonds schon viele Erfolgsgeschichten entstanden. Ein Musterbeispiel ist die Einführung des BAXI-Systems – ein absolutes Vorzeigeprojekt zum Thema Mobilität im Ländlichen Raum.  
Leider wird es jedoch immer schwieriger, Strukturförderprogramme zu nutzen – die Anforderungen und die Bürokratie steigen oder die Richtlinien sind von Grund auf schon so gefasst, dass sie für die tatsächlich notwendigen Projekte nicht passen. Wir hoffen daher, dass die Entwicklung hier wieder zu mehr Handlungsspielraum vor Ort und mehr Praxisnähe geht.

Dem Landkreis werden in den Prognosen zum demografischen Wandels erhebliche Probleme vorausgesagt. Was tut der Landkreis, um diese Voraussagen Lügen zu strafen?
Zusatzfrage: Welche Wünsche bleiben offen? 

Der Landkreis und seine Gemeinden arbeiten daran, sich auf die anstehenden Veränderungen einzustellen: Wie halten wir unsere Region lebens- und liebenswert, auch wenn wir vielleicht weniger Einwohner haben werden? Dabei ist natürlich Kooperation der Schlüssel zum Erfolg, wie z.B. die Steinwald-Allianz oder die IKom Stiftland bereits erfolgreich zeigen.
Man kann den demographischen Wandel auch als Chance begreifen – schließlich sind wir gezwungen, unsere Infrastruktur einmal komplett auf den Prüfstand zu stellen: Macht das wirklich Sinn – wie könnten wir das in Zukunft besser lösen und wie können wir den Landkreis weiterhin so attraktiv wie möglich gestalten?
Projekte wie das BAXI sollen die Mobilität im Rahmen der Regionalen Daseinsvorsorge sichern, Projekte mit Bildungseinrichtungen und der ortsansässigen Wirtschaft sollen Perspektiven für junge Menschen bieten, wie z.B. die Ausbildungsmessen der Wirtschaftsförderung. Das Duale Studium ist hier ein Instrument, das wir weiter ausbauen müssen. Hier spielt die Zusammenarbeit mit der OTH, der Universität Regensburg aber auch mit dem Berufsschulzentrums Wiesau eine wichtige Rolle. Wohnen im Alter, Mobilität und Versorgung, Bildung und berufliche Perspektiven, das sind Themenfelder auf die der Landkreis inzwischen erfolgreich reagiert hat. Wir werden versuchen, uns bestmöglich aufstellen. Die Aufrechterhaltung von Infrastruktur kosten aber Geld, und das insbesondere in einem Flächenlandkreis wie Tirschenreuth.

Wann hat jeder Kreisbewohner ein schnelles Internet zur Verfügung?  
Die Kommunen nutzen das aktuelle Förderprogramm des Freistaates sehr intensiv. Fast alle Kommunen haben Handlungsbedarf gemeldet und erste Projekte umgesetzt. Der Landkreis hat den Prozess mit angeschoben und wir arbeiten mit professionellen Ingenieurbüros zusammen. Man holt das „Optimalste“ aus der Förderrichtlinie heraus, um so möglichst viele Haushalte besser an das Internet anzubinden. Eine flächendeckende Versorgung mit einer Übertragungsrate von mehr als 50 Mbit bis z.B. 2018 halte ich derzeit als ein gutes Ziel, sehe es aber bei der Realisierbarkeit etwas skeptisch. Immense Kosten bei der Erschließung, v.a. durch Tiefbauarbeiten, werden nach derzeitiger Regel von den Breitbandanbietern (Netzanbieter) als Wirtschaftlichkeitsdefizit weitergegeben.
Interessant für unsere weiteren Planungen ist, wie geht es ab 2018 weiter und wie können wir einen flächendeckende Versorgung weiter vorantreiben? Die Glasfaser muss in mehr Gebäude und weiter in die Fläche. Das geht nur Stück für Stück, daran müssen wir gemeinsam arbeiten. Unsere Kommunen im Landkreis Tirschenreuth machen hier eine klasse Arbeit und beweisen ihre Fähigkeiten interkommunal zusammenzuarbeiten.
Ich glaube, dass uns das Thema „Breitband“ immer weiter beschäftigt, da der Bedarf an Datenvolumen immer größer wird. Die Glasfaser ist ein Medium, dass für die nahe Zukunft die größten Kapazitäten vorweist. Wann jedes Haus einen Glasfaseranschluss besitzt, das erlaube ich mir nicht zu einzuschätzen; wir werden aber mit aller Kraft versuchen, mit den uns vorhandenen Möglichkeiten das Beste voran zu treiben.

Der Landkreis kann sich als Wirtschaftsstandort sehen lassen. Warum lässt es sich hier nicht nur sehr gut arbeiten, sondern auch hervorragend leben?  
Weil unser Landkreis ein Stück echte und unverfälschte Oberpfalz ist. Wir sind ländlich-idyllisch – und haben dennoch vom Global Player bis zum Handwerksbetrieb hervorragende Wirtschaftsbetriebe, die auch berufliche Perspektiven bieten. Die Freizeitmöglichkeiten von Wintersport bis Radtour, Basilika-Konzert bis Museumsbesuch, sind nahezu endlos. Unser Landkreis bietet Freiraum und Entwicklungsmöglichkeiten – egal ob der Traum nun das eigene Häuschen mit Garten ist oder man sich im Sport oder im Verein verwirklichen möchte. Unser Landkreis hat die perfekte Ausgangslage für Ausflüge in alle Richtungen – von Leipzig bis München, von Prag bis Nürnberg sind viele Regionen und Städte in kurzer Zeit zu erreichen, um nur einiges zu nennen.  

Stichwort Freizeitangebot: Was sollte man im Landkreis erlebt haben? 
Da gäbe es natürlich vieles… Beispiele: Zum Zoigl gehen; die Kornthaner Karpfenkirchweih besuchen; den Ausblick vom Waldecker Schloßberg, vom Oberpfalzturm oder von der Himmelsleiter genießen; eine Radtour durch die Waldnaabaue oder eine Wanderung im Steinwald machen; die Basilika und Klosterbibliothek, die Jugendstilhalle der Glasfabrik Lamberts und der Glasherstellungsprozess (immaterielles UNESCO Weltkulturerbe) in Waldsassen besuchen, durch das Waldnaabtal wandern; sich im Sibyllenbad  verwöhnen lassen; eine Reise ins Mittelalter im Geschichtspark Bärnau unternehmen und natürlich eine Stippvisite über die Grenze zu unseren tschechischen Nachbarn machen.
Kurzum: Unser Landkreis Tirschenreuth ist sehr vielseitig und gestaltet sich als sehr lebens- und liebenswert.

Das Interview führte Hans Luger.