Landkreis Tirschenreuth
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Erstmals kooperieren eine bayerische Berufsschule und eine tschechische Universität im Rahmen der Europaregion Donau-Moldau vertieft miteinander.  

Ziel der Vereinbarung ist die wechselseitige Optimierung des Ausbildungsangebots und damit die grenzüberschreitende Sicherung von Fachkräften. Neben den Vertretern des Berufsschulzentrums, der Universität und der Europaregion Donau-Moldau nahm auch der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert an dem Termin teil.  

Besiegelten mit ihren Unterschriften die Kooperation: Universitätsrektor Dr. Miroslav Holecek und Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein (vorne, v.l.). Dahinter stehend v.l.: Dr. Roman Cermák, Dr. Milan Edl (Westböhmische Universität Pilsen), Landrat Wolfgang Lippert, OStR Wolfgang Prebeck, StR Andreas Büttner (Berufsschulzentrum Wiesau) und Markus Meinke (Europaregion Donau-Moldau). Bildrechte: Katerina Modrá / Westböhmische Universität Pilsen

Es ist eine neuartige Form der Kooperation: Am Freitag haben das Staatliche Berufliche Schulzentrum Wiesau (LK Tirschenreuth) und die Westböhmische Universität in Pilsen eine Partnerschaftserklärung unterzeichnet, auf deren Grundlage beide Institutionen im Rahmen der Europaregion Donau-Moldau künftig enger zusammenarbeiten wollen. Damit wird nicht nur eine weitere Brücke zwischen beruflicher und akademischer Bildung geschlagen, sondern auch erstmals der Austausch zwischen einer bayerischen Berufsschule und einer tschechischen Universität fachlich vertieft.   

Mit ihren Unterschriften besiegelten der Rektor der Universität Pilsen, Dr. Miroslav Holecek, und Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein ihre künftige Zusammenarbeit. Beide freuen sich über die vielfältigen Möglichkeiten, die sich für Schüler und Studierende beider Einrichtungen ergeben und betonen, dass es sich um einen in dieser Form bislang einzigartigen grenzüberschreitenden Austausch handelt. „Die Universität Pilsen ist für uns ein wichtiger Partner mit internationalem Renommee. Ich hoffe, dass viele junge Menschen die sich nun eröffnenden Chancen für eine hochwertige grenzüberschreitende Ausbildung nutzen werden“, so Dr. Eckstein. Auch Landrat Wolfgang Lippert, der gleichsam zur Unterzeichnung nach Pilsen gereist war, ist sich sicher, dass die Partnerschaft einen deutlichen Zugewinn für die Bildungsregion Tirschenreuth und die nördliche Oberpfalz bedeutet: „Durch den Wissenstransfer zwischen Wiesau und Pilsen können wir unser Ausbildungsangebot auf ein neues Qualitätsniveau heben. Wichtig ist, dass es uns gelingt, jungen Menschen in unserer gemeinsamen Region die besten Perspektiven zu bieten und sie so für die heimische Wirtschaft zu gewinnen“. Die Partnerschaft umfasst zunächst die Fachbereiche Metallbearbeitung und Maschinenbau. Ihr Ziel ist es, die an beiden Standorten vorhandenen Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten zu koppeln und so optimal für die Qualifizierung junger Menschen zu nutzen.

Das Schulzentrum Wiesau verfügt bayernweit über einen der modernsten Maschinenparks im Bereich der Metallfachausbildung. Neben einer Wasserstrahlschneideanlage zählen hierzu auch ein CNC-Fräszentrum, eine CNC-Drehmaschine und SPS Steuerungsräume. Durch die gemeinsame Nutzung dieser Anlagen sollen den künftigen Maschinenbauern aus Pilsen vertiefte praktische Kenntnisse zur Materialbearbeitung vermittelt und eine wertvolle Ergänzung zur überwiegend theoretischen Hochschulausbildung geleistet werden. Dies schließt unter anderem auch die Unterstützung bei der Suche nach Praktikumsplätzen in Oberpfälzer Unternehmen ein. Umgekehrt wartet die Westböhmische Universität mit den neuesten 3-D-Scannern und 3-D–Druckern auf, an denen Schüler aus Wiesau ihr Fachwissen erweitern und wichtige Zusatzqualifikationen für ihr späteres Berufsleben erwerben können. So hoffen beide Seiten, grenzüberschreitend einen Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels zu leisten und Spitzenkräfte für die regionale Wirtschaft auszubilden. Angedacht werden Seminare für Schüler und Studenten, Exkursionen, Werksbesichtigungen, aber auch gemeinsame Forschungsarbeiten wie z.B. die Konstruktion von Fahrzeugteilen. Ein besonderes Schmankerl der Universität ist der hauseigene Windkanal.

Hier hoffen die Wiesauer, die bereits seit mehreren Jahren erfolgreich mit einem Miniaturrennwagen an dem internationalen Projekt „F1 in schools“ teilnehmen, durch aerodynamische Versuche und Fahrwerksverbesserungen eine weitere Optimierung ihres Modells zu erreichen. Nach dem letztjährigen dritten Platz wird nun mit tschechischer Hilfe die Pole-Position auf dem Siegerpodest angestrebt.

Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen Wiesau und Pilsen durch Markus Meinke von der Regionalen Kontaktstelle der Europaregion Donau-Moldau beim Bezirk Oberpfalz. Gemeinsam mit den Zukunftscoaches des Landkreises Tirschenreuth, Wolfgang Prebeck und Andreas Büttner, die die Initialzündung zu dem Vorhaben gaben und den fachlichen Input lieferten, hat er die Ansprechpartner vermittelt und die nötigen Unterlagen vorbereitet. Dabei orientiert sich die Partnerschaftsvereinbarung zwischen Wiesau und Pilsen bewusst an den Zielsetzungen des Entwicklungsgutachtens für den bayerisch-tschechischen Grenzraum, das vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat (StMFLH) gemeinsam mit dem Ministerium für Regionale Entwicklung der Tschechischen Republik erarbeitet wurde und die bayerisch-tschechische Grenzregion zu einer starken, zukunftsfähigen Verflechtungsregion weiterentwickeln soll. Die Partnerschaftsvereinbarung will einen Beitrag zu dessen praktischer Umsetzung leisten. Damit dies zeitnah gelingt, ist im Rahmen der Partnerschaft bereits für Herbst 2016 eine erste Exkursion von Wiesauer Schülern nach Pilsen vorgesehen. Nach der Sommerpause sollen dann weitere konkrete Schritte festgelegt werden, um die Zusammenarbeit kontinuierlich mit Leben zu erfüllen.

Die Europaregion Donau-Moldau wird in der Oberpfalz und in Niederbayern durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat (StMFLH) gefördert.