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Bidiversität Bodenleben

Artenrückgang auch bei Bodentieren - Viele Arten auf der Roten Liste

Der Regenwurm ist für die Qualität unserer Böden unverzichtbar. Doch eine aktuelle Zählung zeigt: Viele Wurmarten sind im Bestand gefährdet. Bei einigen anderen Bodenlebewesen sieht es kaum besser aus.

Regenwürmer, dass lernen schon Kinder früh, sind ausgesprochen nützliche Tiere. Sie lockern den Boden auf und sorgen damit für gute Durchlüftung und Durchmischung des Erdreichs. Das schützt bei Starkregen sogar vor Überschwemmungen, denn durch die Gänge der Würmer kann Wasser besser abfließen.

Zudem verwerten Regenwürmer faulende Erntereste oder abgestorbene Pflanzenteile. Ihr Kot gilt als hervorragender, nährstoffreicher Dünger. Deshalb sind Regenwürmer von großer Bedeutung für humusreiche Böden und letztlich auch für Ernten und Ernährung.

Doch um den Bestand der Tiere ist es nicht gut bestellt. Etwa 40 Prozent der hierzulande vorkommenden Würmer stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, von der der SPIEGEL berichtet.

Demnach waren 2016, als erstmals Ergebnisse von Zählungen bekannt gegeben wurden, 16 der insgesamt 47 in Deutschland vorkommenden Regenwurmarten auf der Liste erfasst: Als extrem selten gelten 14, zwei werden sogar der Kategorie ausgestorben oder bestandsgefährdet zugeordnet. Für vier Arten gibt es zu wenige Daten.

Auch beim Bestand von weiteren wichtigen Bodenlebewesen gibt es Grund zur Sorge. So stehen 22 Prozent der Asseln, knapp 24 Prozent der Doppelfüßler und sieben Prozent der Hundertfüßler auf der nationalen Roten Liste, die vom Bundesamt für Naturschutz herausgegeben werden. Alle diese Tiere sorgen für eine ausgeglichene Bodenflora, dazu tragen auch Algen, Bakterien und Pilze bei. Doch selbst 25 Prozent der Großpilze sind inzwischen gefährdet oder selten.

Ein Gramm Boden enthält Milliarden von Mikroorganismen. Millionen von Bodentieren wie Fadenwürmer, Regenwürmer, Milben, Asseln, Springschwänze und Insektenlarven bevölkern einen Quadratmeter Boden. Hochgerechnet auf einen Hektar ergibt das circa 15 Tonnen Lebendgewicht im durchwurzelbaren Bodenraum, was dem Gewicht von etwa 20 Kühen entspricht, rechnete das Umweltbundesamt vor.

Die Gründe dafür sind bekannt: Schädlich für die Bodenflora sind demnach etwa Monokulturen, Rückgang von Grünflächen, Düngung durch Gülleeintrag, Pestizide und zu viel Bodenbearbeitung. In vielen Äckern leben nur drei bis vier, maximal zehn verschiedene Regenwurmarten, hatte die Umweltschutzorganisation WWF in einem Bericht geschrieben.

Wie dramatisch die Lage ist, lässt sich noch nicht endgültig abschätzen, denn die Datenlage lässt zu wünschen übrig. "Bei vielen Arten muss man ebenfalls mit starken Rückgängen rechnen, aber Daten dazu fehlen“.

Nachholbedarf sieht selbst das Bundesumweltministerium. "Die Datenlage zu Biodiversität im Boden ist derzeit unvollständig und sollte verbessert werden", heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Viele Zusammenhänge der Bodenbiodiversität sind noch immer nicht erforscht. "Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere könnte verloren gehen, bevor wir sie richtig kennen", so die einhellige Meinung von Fachleuten.

Auch in den Gärten gibt es viele Ursachen, die zu einem Rückgang der Bodenbelebung führen. Gerade für Regenwürmer ist die Trennung zwischen Boden – und Mulchschicht durch eine Vliesauflage, wie es zum Beispiel bei den unsäglichen Schottergärten der Fall ist, ein extremes Ereignis. Der Eintrag von organischem Material in den Boden durch die Regenwürmer ist nicht mehr möglich, die Bodenbiologie wird extrem gestört. Auch auf die vielen anderen Bodenorganismen wirken sich die Veränderungen im Wasser- und Lufthaushalt stark aus. Solche Böden sind innerhalb weniger Monate unfruchtbar und biologisch tot.

Selbstverständlich sollte sein auf Bodenherbizide zu verzichten und durch geeignete Humuswirtschaft (Kompost, Gründüngung, Mulchen) den organischen Gehalt im Boden zu verbessern.

 

 

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