Landkreis Tirschenreuth
A+
Ao
A-
b

In der Kulturgeschichte der Menschheit spielt Wasser eine entscheidende Rolle: Als der Mensch zwischen dem 10. und 5. Jahrtausend v. Chr. den großen Schritt vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter tat, siedelte er sich dort an, wo er Wasser fand. Dieses bildete die Grundlage für die sesshafte Lebensform, aus der sich die ersten Hochkulturen entwickelten. Die Täler der großen Ströme bildeten hierfür die besten Voraussetzungen.

Die Menschen in der Zeit dieser Hochkulturen lernten das Wasser zu zähmen und zu nutzen. Sie bauten weiträumig angelegte Bewässerungssysteme, Kanäle, Sammelbecken und Dämme für die Landwirtschaft und entwickelten Brunnenanlagen und Schöpfwerke für die Trinkwasserversorgung.

Das Wasser galt als besonders kostbar, als “Geschenk des Himmels" und “Inbegriff der Reinheit". Flüsse, Seen und Quellen wurden oft selbst als Gottheit verehrt  so zum Beispiel der Nil als “heiliger Strom" und wie heute noch der Ganges, Indiens drittgrößter Fluss. Ein Bad in ihm, so glauben die Hindus, wäscht von Sünden rein. Häufiger jedoch stellten die Menschen das Wasser unter den Schutz göttlicher und dämonischer Wesen. In Griechenlands Gewässern, Flüssen und Quellen tummelten sich über 3000 mehr oder weniger niedere Götter und Göttinnen, z. B. die Nereiden und Nymphen, zur Ehre und zum Schutz des Wassers. Auch wir haben Wasser- und Gewässerschutzgesetze. Sie werden aber leider häufig übertreten!  

Die Trinkwasserversorgung im römischen Reich

Römische Ingenieure, Techniker und Architekten entwickelten herausragende Fähigkeiten, um die Städte mit Trinkwasser zu versorgen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erhielt die Stadt Rom ihre erste Wasserleitung. Schon 100 n. Chr. deckten bereits neun Aquädukte (über Brücken geführte Wasserleitungen) den ständig steigenden Bedarf der Reichshauptstadt mit 700 000 Kubikmetern Wasser täglich? Die Trinkwasserversorgung in Rom lag in der Verantwortung eines Wasserdirektors mit einem Stab von 700 Technikern. Über Verträge wurden private Installationsfirmen mit dem Bau und der Wartung von Wasserversorgungseinrichtungen beauftragt.

Eine der großartigsten Leistungen römischer Ingenieur und Baukunst nördlich der Alpen war die Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Mit 95,4 Kilometern war sie eine der längsten Fernwasserleitungen im römischen Reich. Rund 500 Arbeiter errichteten an zwanzig Wanderbaustellen über fünf Jahre lang dieses Meisterwerk, das die Provinzhauptstadt Niedergermaniens, die Colonia Claudia Aia Agrippinensium (das heutige Köln), vom 1. bis 3. Jahrhundert mit gutem Trinkwasser aus der Eifel versorgte und zwar mit einer Förderkapazität von 20 000 m3 täglich. Der Kanal war so robust gebaut, dass er in großen Teilen noch heute erhalten ist. Ein Römerkanal-Wanderweg wurde Mitte 1988 in Nettersheim eröffnet.

zurück