Landkreis Tirschenreuth
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Acrylamid

Acrylamid ist als Monomer ein aus der Industrie bekannter "Baustein" für Kunststoffe. Schwedische Untersucher haben im April 2002 Acrylamid-Funde in Lebensmitteln veröffentlicht. Die Lebensmittel, die Acrylamid enthielten, waren stärkehaltig und gebraten, gebacken oder fritiert. In gekochten Lebensmitteln wurden keine Acrylamide gefunden. Untersuchungen in Großbritannien und Niederlande haben diese Funde im Mai 2002 bestätigt.

Acrylamid ruft in vitro und im Tierversuch Mutationen hervor. In einer Reihe von Studien sind genotoxische Effekte in Somazellen und vererbte Keimzellmutationen nachgewiesen worden. Studien am Tier zur Kanzerogenität haben gezeigt, dass Acrylamid krebserzeugend wirkt; es erhöht die Häufigkeit des Auftretens von Tumoren in mehreren Organen. Daher ist Acrylamid als mutagener und kanzerogener Stoff mit Bedeutung für den Menschen eingestuft.

Bei der Trinkwasseraufbereitung wird Polyacrylamid als Flockungshilfsmittel eingesetzt. Hierüber gelangt Acrylamid auch ins Trinkwasser. Lt. Aussage des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (seit 1. November: Bundesinstitut für Risikobewertung) nimmt jemand, der täglich zwei Liter Wasser trinkt, in ungünstigsten Fällen maximal 0,25 Mikrogramm auf. Im Vergleich zu den Acrylamid-Gehalten in hoch belasteten Produkten (z.B. Kartoffelchips bis 3680 Mikrogramm pro kg) ist der Gehalt in Trinkwasser äußerst gering. Im Landkreis Tirschenreuth werden zur Trinkwasseraufbereitung keine Flockungsmittel eingesetzt.   Linksammlung Acrylamid  

Antimon

Antimon (Sb) kommt geogen als Antimonglanz (Stibnit) und in Mischmineralen (mit Blei- Kupfer-, Quecksilbersulfiden) vor. Es wird als Legierungszusatz (Antimonblei), in der Elektroindustrie, in der Keramik- und Glasproduktion, in Pigmenten, als Kunststoff- und Kautschukadditive und in Medikamenten verwendet. Es ist in der dreiwertigen Form giftiger als in der fünfwertigen. Antimon 3+ ist in seiner akuten Toxizität mit dem Arsen vergleichbar.

In Böden findet man Gehalte zwischen 0,05 und 10 mg/kg. Sandstein enthält wenig Antimon, Schiefer hingegen viel. Meerwasser enthält ca. 0,2 µg/l Antimon.

In Oberflächenwasser finden sich etwa 0,1 bis 0,2 µg/l. Thermalwasser kann bis zu 0,9 mg/l enthalten. Der Grenzwert von Antimon ist nach der neuen Trinkwasserverordnung auf 0,005 mg/l verschärft worden. Antimon kann in den Hausanschlüssen oder in der Hausinstallation ansteigen. Antimon ist als Legierungselement in Loten und  Armaturen sowie als Verunreinigung von Kupferlegierungen zu finden. Mögliche Probleme sind ausschließlich in der Hausinstallation zu erwarten.

Arsen

Arsen (As) wurde früher in Medikamenten und Farben (Schweinfurter Grün), Kampfstoffen und Pestiziden verwendet. Heute ist die wichtigste Quelle die Halbleiterherstellung. Viele Wasservorkommen (v.a. Mineralquellen) enthalten hohe geogene (natürliche) Arsenkonzentrationen.

Massenvergiftungen durch Arsen im Trinkwasser wurden immer wieder beschrieben, so bei über 100.000 Menschen in Chile, Taiwan und am Ganges-Delta. Die Folgen dieser chronischen Vergiftung waren Durchblutungsstörungen, Hyperkeratosen (Hornhautwucherungen an Händen und Füßen), Hirnthrombosen und Nekrosen der Extremitäten (Schwarzfuß-Krankheit). Darüber hinaus werden durch Arsen Magen-Darmstörungen verursacht und bei chronischer Aufnahme geringer Mengen von Arsen (täglich etwa 1mg/kg Körpergewicht) traten bestimmte Karzinome (v. a. Hautkrebs) deutlich häufiger auf. Die Aufnahme von 0,2 mg Arsen täglich, kann nach mehrmonatiger Aufnahme zu chronischen Vergiftungserscheinungen führen. Organische Arsenverbindungen sind wie die organischen Quecksilberverbindungen wesentlich giftiger.

Arsen ist in Sedimentgestein, eisenhaltigen Tonen und Mergel sowie Buntsandstein und Flusssanden ziemlich verbreitet und kommt daher in Grund- und Oberflächenwasser häufiger vor. Der Gehalt des gelösten Arsens ist geogen bedingt schwankend, bewegt sich aber in eher niedrigen Konzentrationsbereichen. Doch gibt es auch Quellen mit beträchtlichem Arsengehalt. Erhöhte Arsengehalte können also durchaus geologische Ursachen haben und sind nicht zwingend ein Anzeichen für „schlechtes“ Trinkwasser. Die Konzentration darf toxikologische Grenzen allerdings nicht überschreiten.

Der von der WHO mit 0,01 mg/l Arsen festgelegte Grenzwert beinhaltet einen hohen Sicherheitsfaktor und ist nicht als toxischer Grenzwert zu sehen.

Blei

Blei und seine Verbindungen gehören zu den starken Umweltgiften. Es wird über den Luftpfad, über Nahrungsmittel und Wasser zugeführt. Im Bereich der Gewässerbelastung zum Beispiel stammen Blei-Belastungen in Kläranlagen aus Abschwemmungen von Straßen und Dächern. Das Blei akkumuliert sich, wie andere Schwermetalle auch, in Klärschlämmen, Sedimenten aber auch in Lebewesen. Nur noch in wenigen Ausnahmefällen (z. B. in der Nähe stark Blei-emittierender Industriebetriebe) ist ein nennenswerter Beitrag des Luftpfades zur menschlichen Bleibelastung anzunehmen.

Gesundheitlich bedeutend ist vor allem die schleichende Belastung durch regelmäßige Aufnahme kleiner Bleimengen, die man nicht merkt. Sie beeinträchtigen die Blutbildung und Intelligenzentwicklung bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Besonders empfindlich auf Blei reagiert das sich entwickelnde kindliche Nervensystem. Beim Erwachsenen wird Blei ausgeschieden oder in den Knochen eingelagert. Es kann von dort aber während Phasen erhöhten Stoffwechsels (z.B. während der Schwangerschaft) wieder ins Blut gelangen. Dies erklärt, warum neben Ungeborenen und Kleinkindern auch junge Frauen und Schwangere besonders vor einer Aufnahme von Blei geschützt werden müssen.

Trinkwasser enthält im Durchschnitt wenig Blei. Blei-Wasserleitungen können zusammen mit weichem Wasser zu hohen Blei-Konzentrationen führen. Bei hartem Wasser kann sich eine Schicht aus basischem Blei-Karbonat bilden, die Blei-Ablösungen ins Trinkwasser behindert. Bleileitungen finden sich v. a. im Altbaubestand, der vor 1950 errichtet wurde. Im Stagnationswasser (längere Zeit in den Leitungen stehendes Wasser) aus diesen Bleileitungen kann in der Regel eine Überschreitung des Grenzwertes im Trinkwasser nachgewiesen werden. Auch unabhängig von einer möglichen Bleibelastung sollte man nach längerer Standzeit das erste Wasser aus der Leitung nicht für den menschlichen Gebrauch (Ernährung, Waschen) verwenden.  

In welchen Häusern können noch Bleirohre sein?
Häuser, die nach 1973 errichtet wurden, sind nicht betroffen. Seit dieser Zeit wurden in ganz Deutschland keine Bleirohre mehr verwendet. Praktisch frei von Bleirohren ist der gesamte süddeutsche Raum, weil dort schon über hundert Jahre keine Bleirohre mehr verlegt wurden. Aber auch in den übrigen Gebieten Deutschlands sind längst nicht alle vor 1973 gebauten Häuser betroffen, weil auch dort früher häufig andere Materialien (z.B. Kupfer oder verzinkter Stahl) verwendet wurden.

Wie können Sie feststellen, ob die Trinkwasserrohre in Ihrem Haus noch aus Blei sind?
Bleileitungen lassen sich mit einem Messer, Schlüssel oder einem anderen spitzen Gegenstand einritzen oder abschaben. Die silbergrauen Bleileitungen wurden wegen ihrer Biegsamkeit in geschwungenen Linien verlegt. Die Rohrenden sind ineinander geschoben und an dieser Lötstelle wulstig aufgeworfen. Andere Leitungsmaterialien wie Kupfer oder verzinkter Stahl sind wesentlich härter, im rechten Winkel an der Wand verlegt und ineinander verschraubt. Bleiinstallationen finden sich im Bereich der Hausanschlussleitungen, also den Leitungen von der Versorgungsleitung in das Haus, und im häuslichen Verteilungssystem. Somit sind Bleileitungen meist im Keller, z. B. bei der Wasseruhr, im Treppenhaus (Steigleitungen) und als Kaltwasserleitung in der Wohnung erkennbar.

Weitere Möglichkeiten:
- Befragung des Hauseigentümers
- Hinzuziehen eines Fachbetriebes des Sanitär- und Heizungshandwerks
- Messung des Bleigehalts im Wasser.  

Neue Rechtslage
Der Grenzwert für Blei wurde bis zum Jahre 2013 in zwei Stufen verschärft:    10 µg/l

Nach Auffassung von Fachleuten ist davon auszugehen, dass der verschärfte Grenzwert von 10 µg/l gültig ab 01.12.2013 praktisch nicht einzuhalten ist, wenn Bleileitungen vorhanden sind. In Anbetracht der zu diesem Zweck erforderlichen umfangreichen Austauschmaßnahmen, hat der Gesetzgeber eine Übergangsfrist von 12 Jahren eingeräumt. Als Zwischenschritt zur Einhaltung des Grenzwertes von 25 µg/l besteht die Möglichkeit einer Aufbereitung. Diese Regelung soll die Aufstellung eines Investitionsplanes zum Austausch von Bleileitungen erleichtern.

Fluorid

Fluorid ist ein natürlicher Mineralstoff, der in allen Böden, Trinkwässern, Lebewesen und damit Lebensmitteln in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommt. Eine niedrige Fluoridkonzentration im Trinkwasser begünstigt neben anderen Faktoren, wie kariogenen Bakterien, Zuckerkonsum oder besonderer Speichelbeschaffenheit die Entstehung von Zahnkaries. Durch Optimierung der Fluoridversorgung lässt sich der Kariesbefall, je nach Ausgangslage ohne Beeinflussung der übrigen ursächlichen Faktoren auf etwa die Hälfte senken; insofern ist ein Teil des Kariesgeschehens durch suboptimale Fluoridversorgung bedingt und damit als relativer Fluoridmangel aufzufassen.

In der Industrie verwendet man Fluorid beispielsweise zur Herstellung von Plastikstoffen. In der Medizin gibt es eine Reihe von Arzneimitteln, die Fluoride enthalten, dazu gehören Nebennierenrindenhormone und Antirheumatika. Für unsere Ernährung sind nur die anorganischen Verbindungen als Fluoride wichtig. Unser Körper enthält etwa 2 bis 5 Gramm Fluorid. Es gilt bisher nicht als essentielles Spurenelement, zumindest streiten die Wissenschaftler noch darüber, ob Fluorid für den Menschen lebensnotwendig ist. Schaut man sich die Funktionen von Fluorid im Körper an, so spricht jedoch einiges für den essentiellen Bedarf.  

Fluorid hat viele wichtige Funktionen im Körper
In den Zähnen und in den Knochen befinden sich 95 Prozent des im Körper vorhandenen Fluorids. Geringe Mengen sind in der Haut, den Nägeln und Haaren enthalten. Fluorid wird in Apatit eingebaut und verstärkt dessen Kristallinität. Apatit härtet die Knochen- und Zahnstrukturen und trägt zu stabilen Geweben bei. Fluorid macht so den Zahnschmelz erheblich widerstandsfähiger gegenüber den schädlichen Angriffen von Säuren, die im Mund von Kariesbakterien gebildet werden. Ein erhöhter Fluoridgehalt im Speichel fördert außerdem die Remineralisation von kleineren Kariesschäden im Zahnschmelz, und er kann möglicherweise auch die Säurebildung in den Zahnbelägen hemmen. Für den essentiellen Bedarf an Fluorid sprechen außerdem Beobachtungen, dass ein Mangel in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr von Säuglingen das Wachstum verzögert.  

Die Hauptlieferanten von Fluorid
Deutschland ist vorwiegend ein Fluoridmangelgebiet. Fluorid ist ebenso wie Jod aus den Böden und aus dem Gestein über die Nahrungskette nur wenig verfügbar. Der Fluoridgehalt ist daher in Lebensmitteln im allgemeinen sehr gering. Eine wichtige Quelle für Fluorid ist das Trinkwasser. In Deutschland enthalten aber 90 % aller Regionen weniger als 0,25 mg Fluorid pro Liter Wasser, viel zu wenig, um den täglichen Bedarf zu sichern. Nur wenige Gebiete enthalten bis zu 0,7 mg Fluorid pro Liter Wasser oder mehr. Über die regionalen Werte geben die Gesundheitsämter und Wasserwerke Auskunft. In der Nahrung enthalten Meeresfische und schwarzer Tee im Vergleich zu anderen Lebensmitteln relativ viel Fluorid. Ein Liter schwarzer Tee enthält 1 mg Fluorid. Wegen der allgemein geringen, jedoch wünschenswerten höheren Zufuhr ist im Lebensmittelhandel mit Fluoriden (und mit Jod) angereichertes Speisesalz erhältlich. 1 Gramm fluoridiertes Salz ergänzt jeweils 0,25 mg Fluorid.

An Fluorid reiche Lebensmittel enthalten in 100 Gramm

  • Ölsardinen (mit Gräten) 0,2 - 0,4 mg
  • Huhn 0,06 - 0,1 mg
  • Tee 0,01 - 0,42 mg

2 mg Fluorid sind enthalten in

  • 1,250 kg Garnelen
  • 1,5 kg Butter
  • 2 kg schwarzer Tee
  • 2 kg Muskelfleisch
  • 6,5 kg Fisch
  • 10 kg Gemüse
  • 20 kg Obst
  • 20 kg Brot  

Deckt die tägliche Ernährung den Bedarf an Fluorid?
Fluorid wird aus der Nahrung in sehr geringen Mengen aufgenommen. Es ist allein über die Ernährung unmöglich, den täglichen Bedarf an Fluoriden zu decken. Die Resorption hängt außerdem davon ab, wie Fluoride an Nahrungsbestandteile gebunden sind. Ohne die ergänzende Zufuhr an Fluoriden aus Fluoridsalz oder Fluoridtabletten werden täglich nur etwa 0,1 bis 0,5 mg von diesem Spurenelement aufgenommen. Die Aufnahme kann außerdem durch größere Mengen an Aluminium, Kalzium oder Magnesium behindert werden. Einige Länder sind wegen der zu geringen Fluoridzufuhr aus der Ernährung dazu übergegangen, dem Trinkwasser Fluorid zuzusetzen, um den täglichen Bedarf zu sichern. Dies hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt, um eventuell mögliche zu hohe Aufnahmen zu vermeiden. Die Ergänzungen muss daher bei uns jeder Mensch in Eigeninitiative durchführen.

Die empfohlenen Dosen richten sich nach den regionalen Fluoridanteilen im Trinkwasser und nach dem Alter:
Sie liegen zwischen 0,25 mg und 1 mg Fluorid und können über Fluoridsalz oder -tabletten ergänzt werden. In den meisten Regionen Deutschlands liegt der Fluoridgehalt im Trinkwasser unter 0,3 mg pro Liter. Dann sollten bei Kindern bis zu 4 Jahren täglich 0,25 mg Fluorid und bis zu 7 Jahren 0,5 mg ergänzt werden. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten ebenso wie schwangere und stillende Frauen täglich 1 mg Fluorid ergänzen. Liegt der Gehalt im Trinkwasser bei bis zu 0,7 mg Fluorid pro Liter, können diese Werte halbiert werden. Ist der Fluoridgehalt im Trinkwasser höher, ist die Fluoridergänzung durch Tabletten oder Salz unnötig.  

Typische Gruppen für einen Mehrbedarf an Fluorid:

  • schwangere und stillende Frauen
  • Säuglinge und Kinder (Zahnbildung, Wachstum)
  • bei erhöhtem Risiko für Karies
  • bei erhöhtem Risiko für Osteoporose  

Wenn Fluorid im Körper fehlt
Bei einem Mangel an Fluorid erhöht sich die Anfälligkeit gegenüber Karies. Das ist besonders für Kinder wichtig. In den letzten Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, um die Verbreitung von Karies bei Kindern mit Hilfe von Fluoridergänzungen zu senken. Mit Erfolg, wie sich inzwischen am rückläufigen Kariesbefall gezeigt hat.   Bei Fluoriden ist die Spannbreite zwischen einer Unterversorgung und der zu hohen Zufuhr relativ eng. Aus diesem Grund wird über den nötigen Bedarf und die Ergänzung häufig heftig gestritten. Wer sich bei Fluoridergänzungen jedoch an die empfohlenen Dosierungen hält, geht kein Risiko von gesundheitlichen Schäden ein.  

Kann man Fluorid überdosieren oder gibt es Nebenwirkungen?
Allgemein gilt, dass eine dauerhafte Aufnahme von bis zu 5 mg Fluorid täglich für gesunde Erwachsene nicht toxisch wirkt. Darüber treten gelegentlich unerwünschte Wirkungen mit der Zahnfluorose auf. In Einzelfällen wurden Fluorosen bereits bei Aufnahmen von 2 bis 4 mg Fluorid täglich über längere Zeit beobachtet. Typisches Zeichen für die Fluorose ist, dass der Zahnschmelz weich wird und kalkig-weiße Flecken entstehen. Bei anhaltender erhöhter Zufuhr können sich diese Flecken schließlich gelbbraun verfärben. Bei viel höheren Zufuhren können Erbrechen, Krämpfe und Schilddrüsenstörungen entstehen. Bei jahrelanger Aufnahme von mehr als 10 bis zu 25 mg Fluorid täglich können ernstere Schäden mit Fehlbildungen am Skelett auftreten, Osteoporose kann sich bilden, und Weichteile können sich verhärten (kalzifizieren). Mediziner halten dies jedoch eher für ein theoretisch vorhandenes Risiko, denn allein aus Nahrungsquellen ist es kaum möglich, regelmäßig so viel Fluorid aufzunehmen.  

Fluorid zur Vorbeugung – und wieviel?
Zur Vorbeugung vor Karies wird die Ergänzung von Fluorid empfohlen. Für die äußerliche Anwendung zum Schutz der Zähne stehen Fluorid-Zahnpasten und Fluoridgele zur Verfügung. Bei einem erhöhten Risiko für Karies können die Zähne vom Zahnarzt auf spezielle Weise fluoridiert und behandelt werden. Kinder sollten zur Vorbeugung gegen Karies die für ihren Bedarf mit geringeren Fluoridmengen angereicherten Kinder-Zahnpasten benutzen. Fluorid-Zahnpasten für Erwachsene sind höher dosiert und daher für Kinder ungeeignet. Eltern sollten ihre Kinder dazu anhalten, fluoridierte Zahnpasten einige Zeit im Mund zu behalten, damit das Fluorid vom Zahnschmelz aufgenommen werden kann. Die Zahnpasta sollte aber nicht herunter geschluckt werden. Der elterliche Beistand beim Zähneputzen sorgt nicht nur für sorgfältigeres Zähneputzen, auch zum Mundspülen kann man die Kinder besser anhalten. Abgesehen von fluoridierten Zahnpasten, die ja nur die Zähne schützen, sollte jeder Mensch eine systemische Form der Fluoridergänzung mit Tabletten oder Salz durchführen. Grundsätzlich sollte jeweils nur eine Form der Ergänzung angewendet werden. Die Fluoridzufuhr aus Tabletten kann dabei genauer bestimmt und dosiert werden. Sie wird daher vor allem schwangeren und stillenden Frauen sowie für Kinder empfohlen. Über die im Einzelfall geeigneten Dosierungen kann der Frauen- und Kinderarzt informieren.

Fluoridiertes Speisesalz enthält 250 mg Fluorid pro Kilogramm. Eine überhöhte Zufuhr ist durch den üblichen Salzgebrauch nicht zu erwarten. Das gilt auch dann, wenn fertige Lebensmittel, beispielsweise Brot, mit fluoridiertem Salz gebacken werden.

Fluoride wirken auf die Karies in der Regel nur vorbeugend, sie können allenfalls beginnende Kariesläsionen unschädlich machen. Bei fortschreitenden Kariesschäden können sie zur Therapie nicht eingesetzt werden. Da helfen nach wie vor nur der Zahnarzt und der Bohrer.

Fluoride werden teilweise zur Therapie der Osteoporose eingesetzt. Jedoch ist die therapeutische Wirkung nicht so groß, wie man zunächst annahm. Es hat sich gezeigt, dass zur Osteoporose ein Mangel an verschiedenen Nährfaktoren beitragen kann. Entsprechend kann auch nicht die Gabe eines Nährstoffes allein die Krankheit verringern. Es ist therapeutisch sinnvoller, bei Osteoporose neben den üblichen Therapien alle benötigten Nährstoffe zu ergänzen. Dazu gehören neben Fluoriden vor allem die Vitamine C, D, K, die B-Vitamine und die Mineralstoffe Kalzium, Magnesium, Kupfer, Bor und Zink.  

Weiterführender Link:

Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung

Kupfer

Kupfer ist ein Spurenelement, das der Körper zum Leben benötigt. In sehr hohen Konzentrationen kann es jedoch unter anderem Magen- und Darmbeschwerden, Koliken oder Leberschäden hervorrufen. Wie bei Blei sind auch hier insbesondere Säuglinge empfindlicher als Kinder oder Erwachsene. So wurde oft diskutiert, ob Kupfer im Trinkwasser mit einer Lebererkrankung bei Kleinkindern (frühkindliche Leberzirrhose) in Zusammenhang stehen kann. Inzwischen wird dies als wenig wahrscheinlich beurteilt. Bei Erwachsenen kann es zu gesundheitlichen Beschwerden kommen, wenn sie an der seltenen Stoffwechselerkrankung Morbus Wilson leiden.  

Kupferrohre dürfen nur verwendet werden, wenn die Trinkwasserbeschaffenheit es erlaubt. Probleme können insbesondere bei Wässern mit hohem Gehalt an freier Kohlensäure und entsprechend niedrigem pH-Wert entstehen. Auch bei neu verlegten Kupferleitungen kann es in den ersten Monaten zu einer Abgabe von Kupfer an das Trinkwasser kommen, da sich im Kupferrohr noch keine Schutzschicht ausgebildet hat (wer erhöhte Kupferwerte vermeiden möchte, lässt das Trinkwasser vor der Zubereitung von Säuglingsnahrung ablaufen, bis es kühl nachströmt). Später sorgt diese Schutzschicht dann dafür, dass kein Kupfer mehr aus dem Rohrmaterial herausgelöst werden kann.

Nitrat

Der Stickstoffoxidant Nitrat (NO3) ist heute zum Hauptproblem der Wasserversorgung geworden. Nitrat wird über landwirtschaftliche Düngung in die Quell- und Grundwasservorkommen eingetragen. Nitrat kann sich im Körperinneren bei Kleinkindern zu Nitrit verwandeln und dadurch Atemnot auslösen. Nitrat ist auch für erwachsene Menschen ein schlechter Begleiter, da sich Nitrat in körpereigene Nitrosamine umbilden können, die wiederum für karzinogene Krankheiten verantwortlich sind. Der Nitratgehalt sollte in keinem Fall über 50 mg/l liegen. Die Wasserversorger sind für die Einhaltung der Nitratwerte unter 50 mg/l verantwortlich, jedoch bestehen zahlreiche Ausnahmegenehmigungen für einige Wasserversorger, deren Nitratwerte über dieser Grenze liegen.  

Was ist Nitrat, was ist Nitrit?
Nitrat und Nitrit sind Nährstoffe, welche seit vielen Jahren als Düngemittel (Nährstoffe) in der Landwirtschaft, aber auch im kommunalen Bereich (Kleingärten usw.) zum Einsatz kommen. Nitrat und Nitrit sind je nach Sauerstoffgehalt im Wasser untereinander umwandelbar; weitere Stickstoffverbindungen sind Ammonium oder elementarer Stickstoff. Eine typische Eigenschaft von Nitrat ist dessen gute Löslichkeit im Wasser, d. h. wenn zuviel Nitrat zur Anwendung kommt, wird es rasch aus dem Boden ausgewaschen und gelangt somit ins Grundwasser oder ins Trinkwasser. 

Welche gesundheitliche Relevanz hat Nitrat?
Nitrat (Grenzwert nach Trinkwasserverordnung: 50 mg NO3/l) führt in Konzentrationen > ca. 100 mg/l bei Säuglingen bis zum 6. Lebensmonat zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Nitrat, welches auch im menschlichen Körper zu Nitrit umgewandelt werden kann, führt dazu, dass das Blut anstelle von Sauerstoff diese Stickstoffmoleküle besser bindet, was schließlich bei Säuglingen zur "Blausucht"  (Methämoglobinämie) führt (Ersticken). Für ältere Kinder und Erwachsene besteht erst bei höheren Konzentrationen die Gefahr der Bildung von Nitrosaminen, die wiederum krebserregend sein können.

Wie kann man den Nitratgehalt des Wassers erfahren?
Es gibt kleine Fertigtests zur Ermittlung des Nitratgehaltes. Genauer und vor Gericht akzeptiert sind Analysen eines zertifizierten Wasserlabors. Falls Sie an ein öffentliches Versorgungsnetz angeschlossen sind, erfahren Sie den Nitratgehalt des Trinkwassers von Ihrem zuständigen Versorger. Darüber hinaus gibt das Gesundheitsamt Auskünfte.  

Was kann man tun, wenn der Nitratgehalt zu hoch ist?
Abkochen oder die Filtration über A-Kohle wirken nicht gegen zu hohe Nitratkonzentrationen! Die Beseitigung von Nitrat aus dem Wasser ist relativ aufwendig.  Point-of-Use-Systeme verringern den Nitratgehalt durch Filtration, durch Umkehrosmose, Destillation, oder Wegwerfdeionizer. Eine andere Möglichkeit  besteht ähnlich  wie bei Wasserenthärtungsystemen mit einem anionischen Austauschharz anstatt dem kationischen Austauschharz, das allgemein für die Wasserenthärtung benutzt wird. Diese Systeme arbeiten ähnlich wie herkömmliche Enthärter und kann in Kombination mit Enthärtern betrieben werden.  Wenn größere Mengen von nitratbelastetem Wasser aufbereitet werden müssen (z. B. öffentliche Versorger) würden o. g. Verfahren zu erheblichen Mehrkosten führen. Effektive Verfahren der Nitrateliminierung in großen Wasserwerken sind derzeit noch nicht verfügbar (Erfahrungen liegen bei  Wasserwerken vor, welche vor allem auf der Basis der Denitrifizierung arbeiten. In der Regel wird deshalb versucht, auf andere Ressourcen zuzugreifen oder das Wasser mit weniger belastetem Wasser zu mischen.   

Methämoglobinämie
An dieser Krankheit (Blausucht) erkranken Säuglinge im Alter unter sechs Monaten. Die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen ist verringert. Die Ursache hierfür ist eine bessere Bindungsfähigkeit aufgrund der Reaktion mit Nitrit (höherer pH-Wert des Blutes), so dass kein Sauerstoff aufgenommen werden kann. Dies führt zum Ersticken.  Aus diesem Grund wird gefordert, dass vor allem das Wasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung unbedingt den Nitrat-Grenzwert (50 mg NO3/l) einhalten muss.  

Radioaktivität

Der Gehalt der Gewässer an natürlichen Radionukliden ist regional sehr unterschiedlich – je nach Art des Wasservorkommens und der Geologie des Bodens. In Gebieten mit erhöhter natürlicher Radioaktivität – hauptsächlich im mittel- und süddeutschen Raum wie beispielsweise in Teilen des Erzgebirges, des Bayerischen Waldes, der Alpen oder des Hochschwarzwaldes – sind in einigen Trinkwässern überdurchschnittliche Gehalte an Uran, Radium, Radon oder weiterer Zerfallsprodukte nachweisbar.

Doch selbst dann ist die Strahlenbelastung der Bevölkerung durch Aufnahme von Radionukliden mit dem Trinkwasser meist vernachlässigbar gering. Künstliche Radionuklide, die bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie und beim Umgang mit radioaktiven Stoffen in Medizin, Forschung und Technik in sehr geringen Mengen in die Umwelt gelangen, sind für die Trinkwasserversorgung flächendeckend bedeutungslos. Eine Freisetzung radioaktiver Stoffe durch schwere Unfälle, wie 1986 in Tschernobyl, kann diese Situation zwar schlagartig ändern – dann wären aber in erster Linie die Luft, eventuell auch Nahrungsmittel und schließlich Trinkwasser aus Talsperren die bedeutendsten Belastungsquellen. Natürliche und künstliche Radioaktivität unterscheiden sich allein hinsichtlich ihrer Herkunft, nicht hinsichtlich ihrer schädigenden Wirkung. Diese hängt auch bei radioaktiven Stoffen nur von der persönlichen Dosis ab. Die biologisch wirksame oder effektive Dosis wird aus der Strahlenbelastung errechnet und in Millisievert pro Jahr (mSv/a) und Person angegeben.

Die mittlere effektive Dosis aus der Strahlenbelastung durch natürliche Radioaktivität beträgt in Deutschland etwa 2,1mSv/a für Erwachsene, und diejenige durch künstliche 1,9mSv/a. Das macht eine Gesamtdosis von durchschnittlich 4mSv/a. Je nach Wohnort kann der zutreffende Wert zwischen 1 bis 6mSv/a liegen. Zum Vergleich: Allein der Dosisbeitrag durch die medizinische Röntgendiagnostik liegt durchschnittlich bei 1,8mSv/a.

In einer groß angelegten Studie untersuchte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zwischen 2003 und 2008 fast 600 Trinkwässer aus ganz Deutschland auf natürliche Radionuklide (Uran, Radium, Radon, Blei und Po-lonium). Das Ergebnis: Trinkwasser liefert durchschnittlich 0,009mSv pro Jahr, also nur etwa 0,2% der Gesamtbelastung. Das Trinkwasser trägt zur durchschnittlichen effektiven Dosis der Bevölkerung also verschwindend wenig bei. Bei Personen allerdings, die über längere Zeit ein überdurchschnittlich belastetes Trinkwasser aufnehmen, ist auch die effektive Dosis entsprechend erhöht.

Im Rahmen der routinemäßigen Überwachung der Umweltradioaktivität und der Überwachung kerntechnischer Anlagen wird neben Luft und Boden regelmäßig auch Wasser an über 400 Stellen auf die bedeutsamen Radionuklide untersucht. Ein erhöhtes Auftreten von Radionukliden im Trinkwasser aus kerntechnischen Anlagen würde deshalb sofort bemerkt.

Selen

Selen (Se) ist ebenfalls ein lebensnotwendiges (essentielles) Spurenelement, das häufig geogen im Trinkwasser vorhanden ist. Selenmangel kann zu einer schweren Selenmangelkrankheit führen. Chronische Selenvergiftungen durch Trinkwasser sind selten und zeigen keine typischen Symptome. Bei Trinkwasser mit hoher Selenbelastung wurden Verdauungsstörungen, Blässe, Hautausschläge, Haarausfall und ähnliches beschrieben. Auch Leber- und Nervenschäden mit Todesfolge wurden bei der Aufnahme höherer Selenmengen (5mg/Tag) beschrieben.

Uran

Uran ist ein natürlicher Bestandteil gerade mancher besonders reiner und appetitlicher Trinkwässer, die in bestimmten Regionen aus tief liegenden und vor menschlichen Aktivitäten bestens bewahrten Grundwässern stammen, die naturgegeben im engen Kontakt zu uranhaltigen Gesteinen und Ablagerungen stehen. Die einzigen nicht natürlichen Quellen für den Eintrag von Uran in die Umwelt und damit theoretisch auch ins Trinkwasser sind landwirtschaftlich eingesetzte Phosphatdünger, die aus mit Schwermetallen belasteten mineralischen Rohphosphaten hergestellt werden. Ihr Beitrag zu den Urankonzentrationen im Grundwasser scheint allerdings gering zu sein.  

Überschreitungen des Grenzwertes für Uran kommen in Deutschland nur selten vor – maximal in 0,6 % aller Haushalte, und dabei vor allem solche, die ihr Trinkwasser nicht von einem zentralen Wasserversorger beziehen. Wenn ein Grundwasser mehr als 10 ?g/l Uran enthält, kann der Wasserversorger diese erhöhten Konzentrationen reduzieren, entweder indem er die Wasserquelle wechselt oder das belastete mit einem unbelasteten Wasser mischt. Auch spezifische Aufbereitungstechniken (zum Beispiel durch Ionenaustausch) stehen ihm hierfür zur Verfügung. Durch die aktuelle Fassung der Trinkwasserverordnung ist aus dem Schlagzeilen-Elefanten namens „Uran im Trinkwasser“ wieder das geworden, was er eher ist: eine Mücke.